↔️ Balkonkraftwerk mit Ost-West-Ausrichtung
Nicht jeder Balkon zeigt nach Süden. Eine Ost-West-Ausrichtung ist aber kein Ausschlusskriterium – im Gegenteil: Sie kann für bestimmte Haushalte sogar vorteilhafter sein. Auf dieser Seite siehst du, was die Ausrichtung für Ertrag und Ersparnis bedeutet.
Vorteile der Ost-West-Ausrichtung
Bei Ost-West-Ausrichtung produzierst du morgens (Ost-Modul) und nachmittags/abends (West-Modul) Strom – also genau dann, wenn viele Haushalte zu Hause sind und Strom verbrauchen. Der Eigenverbrauch ist daher oft höher als bei reiner Südausrichtung. Der Gesamtertrag liegt typischerweise 10–20 % unter einem Süd-Setup, aber die Einsparung kann ähnlich hoch sein, weil du weniger Strom ins Netz einspeist.
Hinzu kommt ein technischer Vorteil: Die Erzeugungsspitze fällt flacher aus. Statt einer schmalen Mittagsspitze verteilt sich die Leistung über den Tag – das passt besser zu einem Haushalt, der nicht permanent mittags kocht oder wäscht.
Typische Erträge im Vergleich
Süd
100 %
ca. 700–800 kWh
Ost/West
80–90 %
ca. 550–700 kWh
Nord
40–50 %
ca. 250–400 kWh
Richtwerte für 2 × 400 Wp Module, Jahresertrag variiert nach Standort.
Rechenbeispiel: Süd gegen Ost/West
Der niedrigere Ertrag ist nicht automatisch ein Nachteil. Rechnen wir beide Varianten bei 35 ct/kWh durch:
- Süd: 720 kWh × 0,35 € = 252 € Vollwert. Bei rund 30 % Eigenverbrauch sind das 216 kWh × 0,35 € = 75,60 € pro Jahr.
- Ost/West: 600 kWh × 0,35 € = 210 € Vollwert. Bei rund 35 % Eigenverbrauch sind das 210 kWh × 0,35 € = 73,50 € pro Jahr.
Obwohl die Ost-West-Anlage etwa 17 % weniger Strom erzeugt, liegt die Ersparnis fast gleichauf – weil mehr Kilowattstunden direkt im Haushalt landen. Erst wenn dein Eigenverbrauch sehr niedrig ist, zieht die Südvariante klar davon. Vertiefend: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?
Entscheidungshilfe: Welche Ausrichtung passt zu dir?
| Ausrichtung | Jahresertrag | Eigenverbrauch | Passt gut, wenn … |
|---|---|---|---|
| Süd | 700–800 kWh | ~30 % | du mittags zu Hause bist oder einen Speicher planst |
| Ost/West | 550–700 kWh | ~35 % | du morgens und abends verbrauchst und selten mittags da bist |
| Nord | 250–400 kWh | ~40 % | keine andere Fläche verfügbar ist |
Typische Fehler und was du prüfen kannst
- ✗Ost und West in Reihe schalten: Werden beide Module an denselben MPPT-Eingang gehängt, bremsen sie sich gegenseitig aus. Nutze einen Wechselrichter mit zwei unabhängigen Eingängen.
- ✗Beide Module stur in dieselbe Richtung drehen: Erst die Aufteilung Ost/West bringt die breitere Erzeugungskurve, die den Eigenverbrauch erhöht.
- ✗Ertrag mit Süd vergleichen: 10–20 % weniger sind bei Ost/West normal – kein Mangel der Anlage.
So planst du die Aufteilung
- 1. Prüfe, zu welchen Tageszeiten dein Balkon direktes Licht bekommt (morgens, mittags oder abends).
- 2. Vergleiche das mit deinem Verbrauchsprofil – Waschmaschine, Kochen, Homeoffice.
- 3. Wähle einen Wechselrichter mit zwei Eingängen, wenn du zwei Richtungen belegst.
- 4. Kontrolliere nach der Installation über die App, ob beide Eingänge Leistung liefern.
Deine persönliche Berechnung
Der Balkonkraftwerk-Finder berücksichtigt deine genaue Ausrichtung und sagt den Ertrag voraus.
Häufige Fragen zur Ost-West-Ausrichtung
Lohnt sich Ost-West auch ohne Südausrichtung?
Ja, oft sogar besser: Du produzierst morgens (Ost) und nachmittags/abends (West), also zu Zeiten mit hohem Eigenverbrauch. Der Gesamtertrag liegt 10–20 % unter einem Süd-Setup, dafür speist du weniger Strom ungenutzt ein.
Wie viel Strom bringt ein Ost-West-Balkonkraftwerk?
Richtwert für 2 × 400 Wp Module: rund 550–700 kWh im Jahr. Zum Vergleich: Süd etwa 700–800 kWh, Nord etwa 250–400 kWh.
Was ist besser: beide Module nach Süden oder Ost/West verteilt?
Süd liefert den höheren Gesamtertrag, Ost/West den höheren Eigenverbrauch. Wenn du tagsüber selten zu Hause bist, passt Ost/West meist besser zu deinem Verbrauchsprofil.
Wie schließe ich zwei Module mit unterschiedlicher Ausrichtung an?
Bei getrennter Ausrichtung von Ost und West brauchst du entweder einen Wechselrichter mit zwei unabhängigen Eingängen (MPPT) oder zwei getrennte Geräte. Ein einzelner MPPT mit gemeinsamer Reihenschaltung verschlechtert den Ertrag, weil sich die Module gegenseitig ausbremsen.
Ist ein flacher Winkel bei Ost-West sinnvoll?
Ja, bei Ost-West ist ein eher flacher Neigungswinkel üblich, weil die Module dann über einen längeren Tagesabschnitt gleichmäßig Strom liefern. Im Winter fängt ein steilerer Winkel von 50–60° die tief stehende Sonne besser ein – Details dazu im Ratgeber Winter-Ertrag.